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Hannover braucht ein Queeres Jugendzentrum!

Einen entsprechenden Antrag hat der Andersraum e.V. im Fachbereich Jugend und Familie gestellt. Folgende Fragen dazu sind uns in den Gesprächen mit Parteien, Verbänden, Organisationen und Einzelpersonen besonders häufig begegnet…

Was heißt eigentlich „queer“?

Queer ist hier ein Sammelbegriff für schwul, lesbisch, bi, trans*, inter und weitere Orientierungen und Identitäten, die sich jenseits der gesellschaftlichen Normvorstellungen verorten. In einer weiteren Lesart zielt er auch auf eine Kritik eben jener Normen ab.

Wie geht es queeren Jugendlichen in Deutschland?

Auch heute noch sind queere massiver Diskriminierung ausgesetzt. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erfahren über die Hälfte der queeren Jugendlichen an ihrer Bildungs-/Ausbildungsstätte Beschimpfungen und Beleidigungen. Rund 10% erleben sogar körperliche Gewalt. Auch die Familien reagieren viel zu oft negativ. All dies führt u.a. dazu, dass queere Jugendliche eine 4-6-fach erhöhte Suizidalität haben.[1]

Warum braucht Hannover ein queeres Jugendzentrum?

Angesichts der noch immer hohen Belastung queerer Jugendlicher empfiehlt die DJI-Studie die Einrichtung von Schutzräumen, in denen die Jugendliche so sein können, wie sie sind. Hier erfahren sie Stärkung, Beratung und auf sie abgestimmte Angebote.

Warum können die Jugendlichen nicht in andere Jugendzentren gehen?

Alle Expert_innen empfehlen eine Weiterqualifizierung des Fachpersonals und eine Verbesserung der Angebote allgemeiner Jugendarbeit. Dieser Forderung schließen wir uns an. Gleichzeitig gibt es Bedarfe, die nur in einem Queeren Jugendzentrum bedient werden können.

  • Sicherheit: In allgemeinen Einrichtungen begegnen Jugendliche wieder genau den Gleichaltrigen, von denen sie in der Schule bereits diskriminiert wurden. Outen sie sich, laufen sie Gefahr, dass die Info in der Schule die Runde macht.
  • Gleichgesinnte treffen: Nur in einem Queeren Jugendzentrum kommt eine ausreichend große Gruppe an queeren Jugendlichen zusammen, mit denen sich über Coming-Out, Medien, Erfahrungen mit einschlägigen Onlineportalen, die Transition etc. ausgetauscht werden kann.
  • Fachwissen: Queere Jugendliche haben spezifische Beratungsbedarfe, die in allgemeinen Jugendzentren nicht abgedeckt werden können. Aktuell versetzt das hilfesuchende Jugendliche immer wieder in die Rolle des Erklärenden, der eine Fachkraft informiert, statt selbst beraten zu werden.
  • Empowerment-Arbeit schließt Weiterbildungsarbeit nicht aus, ist aber methodisch, akteursbezogen und räumlich von dieser zu unterscheiden.
  • Workshops (Trans*bewerbungstraining, Schreibwerkstatt zu Coming-out,…), können in einem inhaltlich spezialisierten Queeren Jugendzentrum effizient umgesetzt werden, da hier die notwendige kritische Masse an Teilnehmenden zusammenkommt.

Wie hoch ist die Nachfrage?

Schätzungsweise 5-10% aller Menschen und damit auch aller Jugendlichen sind queer. Folglich kann aus dem Anteil der 14-27-Jährigen die Kernzielgruppe errechnet werden. Beim Queeren Jugendkongress im September 2018 kamen spontan 43 Jugendliche zusammen, um über die Idee eines Queeren Jugendzentrums zu beraten (vgl. Zusammenfassung). Eine so hohe Beteiligung bei einem noch nicht einmal existenten Projekt legt nahe, dass ein Queeres Jugendzentrum nach Eröffnung stark frequentiert würde.

[1] Krell, Claudia; Oldemeier, Kerstin (2017): Coming-out – und dann…? Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, Opladen/Berlin/Toronto.


Veröffentlicht am 31. Oktober 2018  |  Aktualisiert am 31. Oktober 2018


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